Zeitzeugenarchiv der Minsker Geschichtswerkstatt

Erinnern, lernen, forschen am historischen Ort

Sie sind hier

Abraham Gustav

Abraham Gustav

Gruppe 
Rassistisch Verfolgte (Jude/Jüdin)
Herkunftsland 
Deutschland
Geburtsort 
Okriftel
Beruf 
Schuhmacher
Deportationsdatum 
1941 November 11
Unterbringung/Inhaftierung 
Minsker Ghetto
Schicksal 
Todesdatum und -umstände unbekannt
Berichtsart 
Familiengeschichte

Gustav Abraham und seine Frau Jenny, geb. Wetzler, stammten aus südhessischen Landjudengemeinden. Gustav Abraham wurde 1885 in Okriftel, das heute ein Teil der Gemeinde Hattersheim ist, geboren.

Bereits 1900 verließ Abraham Okriftel in Richtung Frankfurt um eine Lehre als Schuhmacher anzutreten. Jedoch erst 1918 ließ er sich dauerhaft in der Stadt nieder und war hier von 1919 bis 1935 als selbstständiger Schuhmacher gemeldet.

Jenny Abraham, geboren 1981 in Langstadt, stammte wie ihr Ehemann aus einer südhessischen Landjudengemeinde. Das Datum der Eheschließung ist nicht bekannt, das früheste Zeugnis ihrer Ehe ist die Geburt der Gemeinsamen Tochter Elfriede Abraham am 26. August 1925 in Frankfurt am Main. Im gleichen Jahr legte Gustav Abraham die Meisterprüfung ab.

Drei Jahre Später, am 24. Februar 1928 wurde die gemeinsame Tochter Margot Abraham geboren. Zu dieser Zeit lebte die Familie in der Seumenstraße 8 in Frankfurt. Bereits 1930 bezog die Familie allerdings eine neue Wohnung in der Herderstraße 11. Dies dürfte der letzte selbstbestimmte Umzug der Familie Abraham gewesen sein.

Im Jahr 1934 musste der Vater Gustav Abraham seine Tätigkeit als Schuhmacher aufgeben und eine Stelle als Friedhofsgärtner der Israelitischen Gemeinde Frankfurt annehmen, nachdem ihm die Ausübung seines Berufs immer weiter erschwert wurde. Gustav und Jenny Abraham hatten eine weitere Tochter, Erna Abraham. Erna konnte im Jahr 1939 nach England emigrieren und entging so als einzige der Familie der Shoa. Im Jahr 1939 folgte der letzte und erzwungene Umzug der Familie. Eine Adresse ihres letzten Wohnortes in Frankfurt lässt sich leider nicht ausfindig machen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Familie in einem der über 14 Frankfurter sogenannten Judenhäuser, die ab diesem Jahr im gesamten Deutschen Reich eingerichtet wurden, lebte.

Gustav, Jenny, Margot und Elfriede Abraham waren im November 1941 Teil der Deportation, die ausgehend von der Frankfurter Großmarkthalle ins Ghetto Minsk ging. Hier verliert sich ihre Spur und es ist davon auszugehen, dass die Familie hier ihren gewaltsamen Tod fand. Von dem Transport von 1045 Juden aus Frankfurt überlebten nur drei Personen das Ghetto und die Shoa.

Nach dem Krieg ging Erna Abraham nach Israel, wo sie 1977 in Yad Vashem die Sterbedokumente ihrer Familie einreichte.

Quellen:

http://www.alemannia-judaica.de/okriftel_synagoge.htm

https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=1907322&_ffmpar%5B_id_inhalt%5D=29219644

https://www.hattersheim.de/files/Mediathek/PDF/Stolpersteinbiografien/Familie%20Abraham_Neugasse%203_Okriftel.pdf

Erstellt von Ronny Langner